Deeskalieren – Gefahren erkennen
Goch. Es ist oft einfacher gesagt, als getan: In Streitsituationen schlichten, deeskalieren oder zumindest sich selbst in Sicherheit bringen. Die Respektlosigkeit gegenüber Rettungskräften, Polizei und Feuerwehr, Behörden und Einrichtungen wächst. Während eines Deeskalationstrainings mit Andreas Sandvoß lernten Diakoniemitarbeitende, wie sie in brenzligen Situationen handeln können.
Es gar nicht erst soweit kommen lassen, Situationen aufmerksam beobachten, das ist schon mal ein guter Ratgeber. Sandvoß begegnet beruflich oft Menschen mit hohem Aggressionspotential. Etwa Inhaftierten in Gefängnissen, er begleitet zudem Gerichtsvollzieher und hat eine Zeit lang für ein Jugendamt gearbeitet. Inzwischen schult er Menschen, deren Alltag Konfliktgespräche sind. „Wer mir mit einem Brotmesser die Tür öffnet, dem sage ich, dass wir das Gespräch an einem anderen Tag führen“, so der Trainer. Wenn er das Gefühl hat, der Gesprächspartner ist zu keinem Gespräch bereit, bewegt sich keinen Zentimeter von seiner Position ab, auch dann endet das Treffen vorzeitig. „Wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein“, ein Merksatz für Sandvoß. Er bedeutet, dass Grenzen setzen notwendig ist. Da die meisten Menschen etwas vom Gegenüber wollen, kämen sie – hoffentlich ruhiger - wieder.
Aus seinen Tätigkeiten für verschiedene Institutionen weiß Sandvoß einen aufgeräumten Schreibtisch zu schätzen. „Alles was fliegen kann und nicht mehrmals täglich gebraucht wird, steht bei mir im Schrank.“ Die Diakonie im Kirchenkreis Kleve ist wie andere Einrichtungen nicht vor unfreundlichen Mitmenschen gefeit. Immer, wenn Menschen nicht das bekommen, was ihnen aus ihrer Sicht zusteht, könnte es kritisch werden.
Wie sich Mitarbeitende aus Klammergriffen befreien können, dazu erklärte Sandvoß den Teilnehmenden einige Techniken. Manchmal gibt es Menschen, die alleine mit körperlicher Nähe Macht austesten wollen. Auch dem sollte man rechtzeitig einen Riegel vorschieben. „Sie machen deutlich, dass sie es bemerkt haben und dass das Gespräch bei Nichtreaktion endet.“ Regelmäßig diese Situationen zu üben, würde im Notfall helfen. „Es geht um agieren, statt Flucht oder Schockstarre“, so der Experte.
Sandvoß zeigte den Teilnehmenden eine kleine Auswahl an Hieb- und Stichwaffen. Kämen sie zum Vorschein, spätestens dann sei es Zeit, Hilfe anderer Mitarbeitender zu holen. Eigensicherung hat dann höchste Priorität. Jede Einrichtung sollte für den Fall der Fälle einen Plan und Hilfemechanismen haben, die dann alle Mitarbeitende kennen. Als „sehr hilfreich“ empfanden die Teilnehmenden das Training und dankten für die praktischen Hilfestellungen.
Wer mehr dazu wissen will: andreas-sandvoss.de