Vorstand fährt Pflegetour mit - Kritik am PNOG

Goch. Marcus Knops, seit dem 1. Juli 2026 Sozialvorstand der Diakonie im Kirchenkreis Kleve, begleitete einen Tag lang Pflegefachkraft Heinz Heuer – und warnt vor den Folgen des geplanten Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG).

Pflegebedürftig zu werden, kann jeden treffen – von einem Tag auf den anderen. Umso wichtiger ist eine verlässliche und qualitativ hochwertige pflegerische Versorgung. Wie anspruchsvoll und menschlich diese Aufgabe ist, erlebte Marcus Knops unmittelbar nach seinem Amtsantritt bei der Diakonie. Im Rahmen der Aktion „Vorstand mittendrin“ lernt er den Alltag aller Arbeitsbereiche der Diakonie im Kirchenkreis Kleve persönlich kennen. Den Auftakt machte die Ambulante Pflege: Einen Tag lang begleitete er Pflegefachkraft Heinz Heuer auf dessen Tour. „Wir stiegen zusammen um 5:30 Uhr ins Auto und waren bis 11:30 Uhr unterwegs“, berichtete Heuer. „Nach Anleitung konnte der Sozialvorstand leichte Tätigkeiten übernehmen. Frische Handtücher bereitlegen oder mal den Müll vor die Tür bringen. Wir haben wirklich Spaß auf der Tour gehabt und Herr Knops hat großes Interesse für die Arbeit gezeigt“, freute sich Pflegefachkraft Heuer.

„Bei der Mitfahrt habe ich unmittelbar gespürt, worauf es in der Pflege ankommt: Vertrauen, Nähe und fachliche Kompetenz. Pflege ist keine austauschbare Dienstleistung. Deshalb setzen wir bei der Diakonie ausschließlich qualifizierte Pflegefachkräfte ein“, sagte Knops selbst dazu.

Refinanzierung tariflicher Löhne in Gefahr

Der Referentenentwurf zum Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) sieht vor, dass tarifliche Personalkostensteigerungen künftig nicht mehr vollständig refinanziert werden. Die Diakonie im Kirchenkreis Kleve teilt die Sorge der Landesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege NRW, dass die geplanten Änderungen die bestehenden Pflegestrukturen und damit die Versorgungssicherheit gefährden.

Finanzvorständin Anne Rutjes warnt vor den wirtschaftlichen Folgen: „Eine gute Pflege braucht gute Arbeitsbedingungen – und dazu gehören faire, tarifliche Löhne. Werden diese nicht mehr vollständig refinanziert, geraten Pflegeeinrichtungen wirtschaftlich unter Druck. Leidtragende sind am Ende die Menschen, die auf unsere Unterstützung angewiesen sind.“

Entlastungsbetrag darf Familien nicht schwächen

Kritisch sieht die Diakonie auch die geplanten Änderungen beim Entlastungsbetrag. Nach dem Referentenentwurf soll dieser für Menschen mit Pflegegrad 1 entfallen und für höhere Pflegegrade durch ein Sozialraumbudget ersetzt werden. Zudem sollen nicht genutzte Beträge künftig nicht mehr in das nächste Halbjahr übertragen werden können.

„Für viele Familien sind diese Leistungen ein wichtiger Baustein, um Tagespflege oder stundenweise Entlastung finanzieren zu können. Werden diese Möglichkeiten eingeschränkt, trifft das unmittelbar pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen“, erklärt Knops.

Pflege braucht ein klares gesellschaftliches Bekenntnis

„Am Ende geht es nicht um Einrichtungen oder Träger. Es geht um Menschen, die im Alter oder bei Krankheit auf gute Pflege angewiesen sind. Pflege kann jeden von uns treffen. Deshalb brauchen wir jetzt ein klares gesellschaftliches und politisches Bekenntnis zu einer verlässlichen Finanzierung guter Pflege“, erklären Sozialvorstand Marcus Knops und Finanzvorständin Anne Rutjes übereinstimmend.

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