Fachtagung: Aufschieben und der Druck

Mitglieder des AK Suchtvorbeugung im Kreis Kleve

Kevelaer. Wer kennt es nicht: Zeitdruck, Erfolgsdruck, unrealistische Ziele, unklare Zuständigkeiten. Hohe Erwartungen an uns selbst oder von anderen hemmen den Willen, ein Projekt zeitig zu beginnen. „Prokrastination“ sagen die Fachleute, „Aufschieberitis“ der Volksmund. Negative Folgen des Aufschiebens werden in Kauf genommen. 120 Fachkräfte aus pädagogischen und suchtpräventiven Zusammenhängen besuchten die Fachtagung des Arbeitskreises Suchtvorbeugung im Kreis Kleve im Kevelaerer Bühnenhaus: „Ich brauch den Druck, oder nicht?“

„Wer Dinge aufschiebt, ist nicht unbedingt faul. Es werden oft andere Sachen erledigt, bei denen er oder sie sich sicherer und wohler fühlt“, machte Celina Neuß, Psychologin aus Köln, bei ihrem Impulsvortrag deutlich. „Fragen Sie nach den Gründen für das aufschiebende Verhalten. Oft verurteilen wir uns oder andere für ihr Nichtstun. Das Ziel ist jedoch, vielleicht erst mit kleinen Schritten ins Handeln zu kommen.“ Besonders anfällig dafür sind junge Menschen zwischen 14 und 29 Jahren, da wechselnde Lebensumstände sie mental belasten. „Problematisch wird es, wenn eine Belastung zum Dauerzustand wird. Wenn regelmäßig Suchtmittel benötigt werden, um überhaupt Leistung zu bringen oder um zur Ruhe zu kommen“, erzählte Barbara Kortland, Leiterin der Beratungsstelle für Suchtfragen des Caritasverbands in Kleve.

Schirmherr Landrat Christoph Gerwers hielt ein Grußwort

„Es ist doch interessant, dass wir die kurzfristige Entspannung durch Aufschieben dem richtig guten Gefühl nach Vollendung eines Projekts vorziehen“, meinte auch Tim Rambach, Mitarbeiter der Diakonie-Suchtvorbeugung. Tatsächlich dürften das nicht nur junge Menschen von sich kennen. „Kleine Schritte gehen, Unangenehmes benennen, realistische Zwischenziele und Selbstfreundlichkeit“, nannte Psychologin Neuß als Hilfen. „Im Arbeitskreis schauen wir, was gerade viele der Fachkräfte beschäftigt und haben so für das Thema viele begeistern können“, erzählte Petra van Bergen, Fachbereichsleiterin der Sozialen Dienste bei der Diakonie. „Uns ist auch wichtig, dass neben neuen fachlichen Eindrücken die Tagung gute Austauschmöglichkeiten untereinander bietet.“ „Sie leisten wichtige Arbeit in der Vorbeugung eines Suchtmittelkonsums, aber achten Sie auch auf ihre eigene Kraft“, dankte der Schirmherr der Tagung, Landrat Christoph Gerwers den Teilnehmenden in seinem Grußwort am Morgen. Am Vormittag und Nachmittag erweiterten die Teilnehmenden aus dem Kreisgebiet den Blick auf das Thema während der Workshops. Digitale Medien, Glücklich sein, wertebasiertes Handeln in der Präventionsarbeit gehörten dazu wie Yogaübungen und die Vorstellung der ausleihbaren „Body and Mind-Tasche“, die im Einsatz für Schulklassen und Jugendgruppen gedacht ist.

Info

Veranstalter des Fachtages ist der Arbeitskreis Suchtvorbeugung im Kreis Kleve, der bereits seit 1993 besteht. In ihm arbeiten der Caritasverband Kleve, die Diakonie im Kirchenkreis Kleve, Jugend-, Gesundheits- und Schulamt des Kreises Kleve, die Kreispolizeibehörde, die LVR-Klinik Bedburg-Hau und Stadtjugendämter zusammen. Ziel ist es, durch Vernetzung, Information und gemeinsame Aktionen Suchtvorbeugung im Kreis Kleve zu stärken.

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