Menschen auf Augenhöhe begegnen
Rainer Blix auf dem Weg in den Ruhestand
Geldern. So langsam rückt der Ruhestand immer näher. Die letzte Mail verschickt, den letzten Termin gemacht, die Verabschiedung von den Kolleg:innen. Aber er freut sich auf den neuen Lebensabschnitt ab November, seit Jahrzehnten war Rainer Blix für und mit wohnungslosen Menschen unterwegs.
Rainer Blix zählt zu den Urgesteinen der Diakonie im Kirchenkreis Kleve. Wenn keiner mehr Rat wusste, dann wurde er oft gefragt. Mehrere Wahlperioden war er in der Mitarbeitervertretung aktiv. Bereits vor dem Beginn des Diakonievereins 1991 war Blix für die Integra gGmbH in der Wohnungslosenhilfe tätig. „Das war damals ein neues Projekt im Kreis, denn neben der stationären Hilfe im Petrusheim gab es diese ambulante Form der Hilfe nicht“, erinnert er sich. „Oft war ich Einzelkämpfer und Generalist in der Arbeit, das hatte Vorteile und Nachteile.“ Inzwischen wurde die Wohnungslosenhilfe um das Kümmererprojekt der Landesinitiative „Endlich ein Zuhause“ ergänzt. „Der Bedarf ist einfach da“, meint der Sozialarbeiter.
„Mir ist es immer wichtig gewesen, den notleidenden Menschen auf Augenhöhe zu begegnen“, so Blix. „Menschen merken, wenn sie gesehen werden.“ Die Wohnungslosenberatung sorgt zum Beispiel dafür, dass Menschen eine Adresse, ein Postfach im Haus der Diakonie bekommen. So sind sie für Ämter erreichbar. Denn ohne postalische Erreichbarkeit gibt es keine staatlichen Leistungen. Die meisten wohnungslosen Menschen leben tatsächlich nicht auf der Straße, sondern bei Familie und Freunden.
Die Wohnungslosenberatung ist keine aufsuchende Arbeit, außer Menschen sind mobil so eingeschränkt, dass sie nicht zur Diakonie kommen können. Es sind oft harte Schicksalsschläge gewesen, die Menschen Rainer Blix berichteten. Finanzielle Probleme, Jobverlust, eine schwere Krankheit, familiäre Streitigkeiten. Geschichten und Menschen, für die der Berater sich immer interessiert hat.
In den Gesprächen schaute Blix, welche Probleme die Ratsuchenden bedrücken. Er gab ihnen einen Kompass, was sie tun können und eine Reihenfolge. „Es kann sein, dass seit Langem versucht wird, eine Wohnung zu bekommen. Wenn derjenige jedoch mittags schon nach Alkohol riecht, ist die Wohnung nicht das erste Problem.“ Manche Ratsuchenden kämen nur wenige Male, andere begleitete er jahrelang. Darunter Erfolgsgeschichten, dankbare Menschen, denen er in großen Krisen wieder auf die Beine helfen konnte.
„Nun kommt der nächste spannende Lebensabschnitt“, sagt Blix. Mehr Sport, schwimmen, mit dem Rad unterwegs sein ist das eine, ebenfalls schon jahrzehntelang ist Rainer Blix in der Friedensbewegung aktiv. „Gerechtigkeit schafft Frieden“, ist er überzeugt. Es gibt bereits eine Nachfolgerin, der Rainer Blix sein Büro und die Arbeit übergibt: Alewtina Klostreich.
Beiden einen guten Start in den neuen Lebensabschnitt!